RÜCKSCHAU:


Studium der Malerei an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel bei H.Schmitter, 

L. Multerer, G. Brockmann, 1958-63


Im Studium entstandene Malübungen:

Stilleben, Tempera auf Packpapier, später kaschiert auf Pressholz, zwischen 1960 - 62



So entstehen, bis Ende 1963 noch im Studium, erste Bildwelten unterschiedlichster Art und Prägung. Meistens in Eitempera auf bespannten Keilrahmen, oder auch auf grundierten Pappen - neben Tuschen und anderen bildnerischen Techniken. 


1964 Aufnahme in die Mitgliedschaft des BBK-SH - sowie Eintragung in die Bau-Eignungs-Liste (Zulassung für Teilnahme an öffentlichen Wettbewerben)

Von 1964 bis Anfang der 80er Jahre: 

Wettbewerbe mit zahlreichen Realisationen im öffentlichen Raum. Mosaiken, Reliefs, Skulpturen, Raum- und Platzgestaltungen, großformatige Wandmalereien.


Entwurf: „Geschichtung“ - 1965/67 - Dispersion/Hartfaser - verworfener Entwurf (Alternative)

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Ab 1983 Verlagerung der Werkstatt von Breiholz (Schleswig-Holstein) nach Hamburg. 

Fortan keine Wettbewerbe sondern Rückbesinnung und Konzentration ausschließlich auf: Malerei, Tusche, grafische Techniken.




„Zeitenpendel“ - Eitempera / Leinen - 100x120cm

Einzel- und Gruppenausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland sowie Präsenz in zahlreichen (Privat-)Sammlungen. 

Detail aus: „Der Garten“- !983/87 - Harzöl / Holz - 95x125cm

H.D. Schreiber ( Katalog zur Ausstellung: ld.braemer: eine Werkschau mit Malereien von 1985 bis 2010 - in der ACO Wagenremise )

 


„…Oft scheint sich zunächst vordergründig eine Bildwelt darzustellen, die sich aber bei vertiefter Annäherung wieder auflösen mag. Das primär Begreifbare wird damit flüchtig und das bis dahin nur Erahnbare fast gegenständlich. 

So erschließt sich eine Welt, die von Wandlung und Vergehen, Ordnung und Chaos bestimmt ist, die die Veränderung und das Wachstum erahnen und metamorphe Entwicklungszustände anklingen lässt. 

Assoziationen zu kriegerischer Zerstörung, gleichsam aber auch zu Verschmelzungen und Geborgenheiten vermitteln dabei die unterschiedlichsten Gefühlsqualitäten im Gegenüber und sind durch die andeutungsreiche Bildsprache zugleich so verhalten, dass sie den Betrachter nicht bedrängen, sondern ihn vielmehr einladen, diesem Prozess zu folgen. Allen Werken gemein ist dabei diese "assoziative Einladung", die in teils fast idyllisch anmutende Landschaftsimpressionen führt, aber auch gleichzeitig die Gefährdung dieser Welten erahnen lässt. 

… So spiegelt sich ein immer wieder erkennbarer Gedanke des Wandelbaren und zuweilen auch "Nicht-Begreifbaren" in den Arbeiten Braemers wieder: nichts scheint beständig, alles ist subjektiv, nichts ist eindeutig, alles ist vergänglich. Bedrohung und Verführung zeigen sich durch diesen Prozess so innerhalb einer Bildidee, das Kostbare scheint dabei nur im Verborgenen erahnbar.

Fast automatisch kommt es so zu einer Konfrontation mit den eigenen kognitiven Schemata im Betrachter selbst, der sich seiner Subjektivität noch einmal mehr bewusst wird. Dies mag verunsichern und entlasten zugleich, denn es fordert die doch immer notwendige Integration von Widersprüchen.

Wiederkehrende Bildthemen, nicht selten auch aus der Mythologie, kennzeichnen - das Gesamtwerk betrachtend - einen fortlaufenden und sich immer wieder verdichtenden Auseinandersetzungsprozess und lassen diese angestrebten Reflexionsbezüge auf unterschiedlichen Transferebenen immer wieder erkennbar werden. 

… Dabei lässt sich in den jüngeren Arbeiten Braemers auch ein zunehmend fragmentarischer Charakter entdecken.

Diese Vielschichtigkeit in den Bildern von Lutz Braemer zeigt sich so auf ganz unterschiedlichen Ebenen: in seiner beständigen Suche nach neuen Ausdrucksformen und auch in den resultierenden Wandlungen seiner künstlerischen Arbeit.

Damit fügt sich dieses Zusammenspiel aus Suchprozessen und Neufindungen in ein in sich plausibles Ganzes: hier offenbart sich neben der Malerei auch die Musik, speziell Braemers Entwicklung von Klangbildern am Flügel, als eine ganz individuelle Sprachfindung seiner künstlerischen Ausdrucksweise.“


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K.H. Hoyer (Flensburger Tageblatt) schreibt über L-D. Braemer anlässlich einer Ausstellung und Performance am Flügel:


“…und nun die neuesten, die großformatigen Werke von vehementer Dynamik, die Vorgänge des Entstehens und Vergehens zeigen. Sie präsentieren eine künstlerische Aussage in düsteren Farben, die betroffen machen und Angst auslösen könnten.

Abschluss gab Bremers Musik: in einer virtuosen Darstellung am Flügel zauberte der Künstler eine den Bildern adäquate Ton-Welt herbei … auf der Tastatur erzeugte er ein „nahendes Inferno“ mit schrillen, schrammenden Tönen, bis zum großen Donner, plötzlich in klassischen Sentenzen auslaufend … Beklemmend und atemlos war das Pochen der Zeit zu hören, aus Free-Jazz entwickelt, der Pendelschlag … das waren Herztöne, Zeittöne, Töne unserer Zeit …“



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